Ostern kann der Beginn einer längst fälligen Rezession sein


Die gesellschaftliche Stimmungsanalyse aus den „COVID-19 Snapshot Monitoring“ (COSMO) bestätigt kurz vor Ostern 2020 einen beginnenden Gegentrend. Die Menschen werden ab nun an egoistischer. Das positiv aufgefallene gewachsene Miteinander verebbt in einer Stimmung aus Angst und Sorge. Existenzängste, gleichwohl begründet oder unbegründet, sind kein Bindemittel Zwischenmenschlicher Beziehungen.

Die Erfurter Kommunikationswissenschaftlerin Cornelia Betsch alarmiert in einem Spiegel Interview, dringend gegen diesen Stimmungswandel zu reagieren. Frau Betsch stellte in Ihrer Studie eine Zunahme der Existenzängste bei einer gleichzeitigen Abnahme der Coronabedingten Wachsamkeit der von Ihr untersuchten Bürger fest. Dieser Trend wurde von einem zweiten unabhängigen Berliner Forscherteam, ebenfalls aufgegriffen. Die Berliner Forscher stellten eine Zunahme der Mobilität der Bürger fest.

Die Stimmung auf den Kapitalhandelsmärkten war in den letzten Wochen verdächtig optimistisch. So stiegen Kurse fast alle gemeinsam ohne Berücksichtigung von Qualität und Unternehmensstrategien. Meines Erachtens ist dieses Makroökonomische Verhalten nicht real und ist in keinem Zusammenhang mit der Mikroökonomie zu bringen. Der Staat hat unterstützt mit aufgeblähten Soforthilfen Kleinunternehmer und Selbstständige. Die Schnelligkeit verdeutlicht, dass bereits viele Marktakteure in Bredouille geraten sind. Es sind zurzeit vorwiegend, Berufsgruppen wie Taxifahrer, Friseure, Selbständige etc. Es sind die ersten und werden sehr wahrscheinlich nicht die letzten sein. Die nächsten werden bestimmte Berufsgruppen der Arbeiterschaft sein. Arbeiter von Zulieferunternehmen. Diese Spirale wird sich bis an die Spitze der Gesellschaft in einem Sinusförmigen Verlauf durcharbeiten. Und die Erfurter Daten bestätigen diesen Anfang. Ich nenne die kommende Zeit Rezession. Die Rezession kommt eigentlich nicht unerwartet. Die Rezession wird den Kapitalmarkt bereinigen, wie eine Putzfrau auf Speed.

Appelle wie die des Continental Chefs Degenhart, die Produktion wieder zum Laufen zu bringen, sind meines Erachtens nicht wirklich durchdacht. Wer soll die Produzierten Güter konsumieren. Ein Wirtschaftssystem das auf Wachstum aufgebaut ist, kann ohne Konsum nicht überleben. An dieser Stelle wird sich die industrielle Alternativlosigkeit rächen. Diese eben genannten Gedanken müssten konsequent ausgearbeitet werden, um sie mit all ihren Abhängigkeiten zu erklären. Das soll aber nicht Tenor dieses Artikels werden. Daher gehe ich zurück zum festgestellten Stimmungswandel und deren unmittelbaren möglichen Folgen, wenn seitens der Politik nicht eingeschritten wird. Mehr Bürgerbewegung zu Ostern, eventuelle Aufhebung von Kontaktverboten wie Schulöffnung, Produktionswiederaufnahmen, werden zwangsläufig zu einer Erhöhung der Corona-Infizierten führen. In welchem Ausmaß hängt allerdings auch von möglichen Regulierungen ab. So sollte mindestens der Mundschutz obligatorisch werden. Allerdings spielt man hier auch mit dem Feuer. So wurde gestern aus Südkorea verkündet, dass es wahrscheinlich zu Wiederansteckung bei bereits Coronageheilten Personen (ca. 91 Menschen) kam. Was bedeutet, dass die Strategie der Herdenimmunität nicht aufgehen würde. Wenn diese Erkenntnis das Bewusstsein der Allgemeinheit erreicht, kann es zu einer verstärkten Unsicherheit bzw. Angst führen. Bei Angst werden die Menschen, sich keine neuen deutschen Autos kaufen oder Urlaube auf Kreuzfahrtschiffen planen. Damit wären zwei große Bereiche der deutschen Wirtschaft betroffen. Die daraus resultierende abklingende Kauffreudigkeit, drückt dann die Umsätze der Händler. Wahrscheinlich wird der aktuelle wirtschaftlich gesehene Coronagewinner Amazon, auch relativiert.

Wenn ich Beratend tätig sein darf, würde ich dringend zwei Taskforces aufstellen. Die einen die sich konsequent um eine wirtschaftliche Neuausrichtung kümmert. Eine Wirtschaft die nicht auf Wachstum aufbaut, sondern auf Verzicht durch Nachhaltigkeit. Diese arbeiten sollten judikativ flankiert werden. Und zwar in der Form, dass Verstöße Strafrechtlich verfolgt werden. Die andere Taskforce sollte, Strategien entwickeln, wie man solche krassen Veränderungen umsetzt. Das Land, welches dies schaffen sollte, wäre das gelobte Land von morgen.

Aber zum Schluss möchte ich mir es nicht nehmen zu sagen: Es sind nur meine einfache Gedanken und ich erhebe überhaupt keinen Anspruch auf Richtigkeit. Es kann nämlich auch ganz anders kommen.

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